VITASOPHIE

Wissen, Weisheit, Glaube

Wissen kommt durch Denken zustande, ist wichtige Erkenntnisarbeit, aber zunächst reine Theorie. Wenn das Wissen nicht in die Praxis umgesetzt wird, ist es nutzlos, kann sich sogar im Nervenbereich krank machend auswirken, wie alle Einseitigkeiten krank machen können.

Weisheit ist in die Praxis umgesetztes Wissen. Das geschieht durch das Erleben und Auswerten unserer täglichen Erfahrungen. Nur und ausschließlich durch die Praxis, durch erfreuliche oder schmerzliche Erlebnisse, können wir Wissen in Weisheit umwandeln, die durch Erfahrung und Erkenntnis zu Seelensubstanz wird.

Der Glaube scheut das Wissen, manchen Menschen reicht es zu glauben, weil sie sich die Mühe der Erkenntnisarbeit nicht machen wollen. Vielleicht haben sie auch Angst vor Erkenntnissen, weil diese oft unbequem sind. Denn aufgrund von Erkenntnissen müsste man sich und seine Verhaltensweisen im Leben erkennen und verändern, und das ist ja bekanntlich mühsam und schmerzlich.

Es gibt Kulturkreise, wo das Erlangen von Wissen nicht gewünscht wird, weil man nämlich nur so lange Menschen manipulieren und damit beherrschen kann, wenn man sie unwissend hält. Wie soll ein Mensch andere Kulturen und die Welt verstehen, wenn er sich ausschließlich mit den Schriften seines Kulturkreises, seiner Religion oder Sekte befassen darf? Der Kampf gegen den Terrorismus z.B. könnte durchaus gewonnen werden, wenn in allen Ländern der Welt den Menschen die Möglichkeit geboten würde, ihren Horizont zu erweitern, sich über andere Kulturen zu informieren, sich Erkenntnisse zu erarbeiten. Auf der Basis dieser Erkenntnisse wären die Menschen motiviert, ihr Leben selbst zu gestalten und mit anderen Menschen und Kulturen zusammenzuarbeiten.

Möglich ist das also durchaus, Terrorismus würde in absehbarer Zeit keine Bedrohung mehr sein. Wenn da nicht Mächte im Hintergrund wären, die verhindern wollen, dass die Menschheit zur Freiheit und damit Unabhängigkeit findet. Freie, unabhängige Menschen mit einer eigenen Meinung und eigenem Willen kann man nicht mehr manipulieren. Dann ist die Macht über sie dahin.

Auch in unserem Kulturkreis muß die Pädagogik neue Wege gehen. Weg von oberflächlichem Wissen, das uns im täglichen Leben nichts nützt, in zur Praxis: soziale Fähigkeiten wie z.B. Konfliktfähigkeit entwickeln - Verständnis für andere Kulturen - usw.

DESIDERATA

Die Lebensregel von Baltimore

Von der Old St. Paul's Cathedral in Baltimore ging diese Lebenserkenntnis des deutsch-amerikanischen Poeten Max Ehrmann (1872-1945) in die Welt. Sie verbindet Seelenwärme mit Lebenserfahrung und kann uns Gelassenheit im Lärm und in der Hektik unserer Zeit schenken:


"Geh deinen Weg gelassen im Lärm und in der Hektik dieser Zeit und behalte im Sinn den Frieden, der in der Stille wohnt.

Bemühe dich, mit allen Menschen auszukommen, soweit es dir möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben.

Sprich das, was du als wahr erkannt hast, gelassen und klar aus, und höre anderen Menschen zu, auch den Langweiligen und Unwissenden, denn auch sie haben etwas zu sagen.

Meide aufdringliche und aggressive Menschen, denn sie sind ein Ärgernis für den Geist.

Vergleiche dich nicht mit anderen, damit du nicht eitel oder bitter wirst, denn es wird immer Menschen geben, die größer sind als du, und Menschen, die geringer sind.

Erfreue dich an dem, was du schon erreicht hast, wie auch an deinen Plänen.

Bleibe an deinem beruflichen Fortkommen interessiert, wie bescheiden es auch sein mag; es ist ein echter Besitz in den Wechselfällen der Zeit.

Sei vorsichtig in deinen geschäftlichen Angelegenheiten, denn die Welt ist voller Trug. Lass dich jedoch dadurch nicht blind machen für die Tugend, die dir begegnet. Viele Menschen haben hohe Ideale und wo du auch hinsiehst, ereignet sich im Leben Heldenhaftes.

Sei du selbst und, was ganz wichtig ist, täusche keine Zuneigung vor. Hüte dich davor, der Liebe zynisch zu begegnen, denn trotz aller Dürreperioden und Enttäuschungen ist sie beständig wie das Gras.

Nimm den Rat, den dir die Lebensjahre geben, freundlich an, und lass mit Würde ab von dem, was zur Jungendzeit gehört.

Stärke die Kraft deines Geistes, so dass sie dich schützt, wenn ein Schicksalsschlag dich trifft. Doch halte deine Phantasie im Zaum, damit sie dich nicht in Sorge versetzt. Viele Ängste wurzeln in Erschöpfung und Einsamkeit.

Übe gesunde Selbstdisziplin, doch vor allem sei gut zu dir.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht, da zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Ganz sicher entfaltet sich das Universum so, wie es ihm bestimmt ist.

Lebe daher in Frieden mit Gott, wie auch immer du ihn dir vorstellst. Und worauf du deine Anstrengungen auch richtest, was es auch ist, das du erstrebst im lärmenden Durcheinander des Lebens, sei mit dir selbst im Reinen.

Trotz allen Trugs, aller Mühsal und aller zerbrochenen Träume ist die Welt doch wunderschön. Sei heiter. Strebe danach, glücklich zu sein."

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