VITASOPHIE

Das Männliche und Weibliche im Menschen und im Kosmos

Teil 1


Um gleich vorweg ein Mißverständnis zu vermeiden: es geht nicht um den Mann auf der einen Seite und/oder die Frau auf der anderen, also zwei unterschiedliche Welten, sondern um das Männliche und Weibliche im Mann (in jedem Mann), und um das Männliche und Weibliche in der Frau (in jeder Frau). Und natürlich um das Männliche und Weibliche im Kosmos. Denn: wie oben, so unten.

„Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“

heißt es in der Genesis, nämlich „männlich und weiblich“. Adam war männlich-weiblich, anfangs, also androgyn. Adam bedeutet ja auch nicht "Mann", sondern "Mensch". Eine Trennung fand erst viel später statt: Eva entstand aus einer „Rippe“ Adams, d.h. dass Eva – das Weibliche – bis dahin im androgynen Adam noch enthalten war, ein Teil von ihm war. Durch die Trennung des Adam in eine männliche und weibliche Gestalt wurde auch der Kontrast geschaffen, der Voraussetzung für jede Bewusstseinsentwicklung ist. Der Mensch entwickelt ja dadurch Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis, und damit letztendlich die angestrebte Freiheit, dass er sich mit Kontrasten, Gegensätzlichkeiten auseinander setzt, sein Leben lang, alle Leben lang.


Die Ehe ist hierfür ein wunderbares Übungsfeld

Eheleute sind einander ein Spiegel, die Frau lebt dem Mann das Weibliche vor, der Mann der Frau das Männliche. Wenn das auf achtsame, rücksichtsvolle, anerkennende und gegenseitig unterstützende Weise geschieht, kann auf beiden Seiten eine großartige Entwicklung statt finden. Gleichzeitig können die Eltern den Kindern dabei ein gutes Vorbild sein. Ein Prinzip in der anthroposophischen Pädagogik ist, dass die Eltern gar nicht die Kinder zu erziehen haben, sondern dass sie ihnen ein gutes Vorbild sein sollen, die Kinder erziehen sich dann selbst durch Nachahmung dieses guten Vorbildes!


Balance ist wichtig

Jeder Mensch - ob Mann oder Frau - hat also männliche und weibliche Eigenschaften, Anteile, Aspekte. Wer sich in der Astrologie ein bisschen auskennt, weiß, dass die männlichen und weiblichen Anteile in einem Menschen aus seinem Geburtshoroskop ersichtlich sind. Anzustreben ist eine Balance zwischen den männlichen und weiblichen Anteilen. Aber das ist wohl erst möglich, wenn der Mensch lange genug mit Kontrasten konfrontiert wurde, und darunter vielleicht gelitten hat. Auch hier gilt: Leiden und Probleme lösen müssen, über längere Zeit, bewirken nachhaltige Veränderung!


Das Männliche

(das ICH) im Mann und in der Frau ergreift Initiative, denkt, plant.

Das Weibliche

(die Seele) ist unsere Gefühlswelt, unsere Emotionen, aber auch Bewusstsein und Weisheit.

Das Männliche macht ohne das weibliche Gegenstück keinen Sinn: Initiativen ergreifen ohne weisheitsvolles Vorgehen geht schief. Ebenso braucht das Weibliche das männliche Gegenstück: nur Gefühlswelt, nur Emotionen, ohne nach- (oder vor-) zu denken, und ohne Initiativen zu ergreifen, nur rumjammern, reicht auch nicht.


Der Mensch inkarniert sich abwechselnd als Mann und Frau

Der Mensch inkarniert sich - meistens abwechselnd - mal als Mann, mal als Frau. Die Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens als Mann macht, sind von denen der Frau sehr unterschiedlich. Und um das Sammeln von vielen unterschiedlichen Erfahrungen - und daraus lernen - geht es ja in unserer Entwicklung. Nach vielen solchen - oft schmerzvollen - Erfahrungen kommen wir dann hoffentlich eines Tages zu der Erkenntnis: das Leben, die Entwicklung, machen nur dann Sinn, wenn sich das Männliche und das Weibliche erkennen, achten, lieben und einander unterstützen (siehe in diesem Zusammenhang den VITASOPHIE-Artikel Karma und wiederholte Erdenleben).


Der Name Adam bedeutet noch viel mehr:

der Buchstabe A im hebräischen Alphabet hat den Zahlenwert 1. 1 als Heilige Zahl bedeutet "Gott". Das Wort "dam" bedeutet "im Blut". "Adam" also gleich "Gott im Blut". In anderen Worten: Gott wird Mensch.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, stutzig zu werden: wenn der Mensch - jeder Mensch - männlich und weiblich ist, und Gottes Ebenbild, dann müsste logischerweise auch die Gottheit männlich und weiblich sein. Der Vatergott hätte demnach seine Göttin an seiner Seite.

So macht es ja auch Sinn: die Fülle von Galaxien im Universum, all die Vielfalt von Leben und Lebensformen (schauen wir uns doch nur mal die wunderschöne Natur um uns herum an) können doch nicht entstehen, wenn ein rein männlicher Gott einsam auf einem Thron im All herumsitzt, sondern doch nur dadurch, dass männlich-Göttliches und weiblich-Göttliches zusammen durch das Universum wirbeln. Die Galaxien entstehen durch das Zusammenwirken der männlich-göttlichen Dynamik, Aktivität, und der weiblich-göttlichen Weisheit.


Auch im Universum, also der Summe aller Galaxien, ist alles männlich-weiblich angelegt,

plus und minus, elektrisch und magnetisch. Yin und Yang. In jeder Zelle unseres Körpers ergänzen sich männliche und weibliche Aspekte. Die Kundalini-Kräfte wirbeln in einem je männlichen und weiblichen Kanal um die Wirbelsäule herum durch die Chakren nach oben und versorgen so den Menschen mit Lebens- bzw. Denkkräften.

Das Wissen um den weiblichen Anteil im Menschen und in allen Dingen ist – fast, aber auch nur fast – verloren gegangen. Die Wissenschaft ignoriert das Weibliche (die Seele in allen Wesen) vollkommen. Warum? Weil die Wissenschaft das Männliche, das Denken, den Intellekt pur repräsentiert. Die Gefühlswelt wird von der Wissenschaft als ein illusionärer Bereich, als subjektiv betrachtet. Gefühle darf ein Wissenschaftler nicht haben, diese würden ihn von seinen „objektiven“ Betrachtungen ablenken. Obwohl auch hier Veränderungen festzustellen sind: man hat nämlich bemerkt, dass sich wissenschaftlich beobachtete Vorgänge unter dem Einfluss, allein durch die Gegenwart, des betrachtenden Menschen verändern. Das wäre ja subjektiv. Großes Rätsel! Aber diese neuen Erkenntnisse, die sich da abzeichnen, gehören ja zu den neuen Entwicklungen und Veränderungen, die sich seit ein paar Jahren überall abzeichnen. Die Wissenschaft bleibt vom beginnenden Wassermannzeitalter, dem Zeitalter der bewusst gelebten Erkenntnisse, nicht verschont.


Sinn und Aufgabe des Patriarchats

In einer Zeit, in der das vorher herrschende Matriarchat durch das Patriarchat abgelöst wurde, verschwand auch die Göttin aus dem Bewusstsein der Menschen, so auch aus der Bibel, bzw. wurde ersetzt durch den Begriff "Heiliger Geist". Wer sich mit der Bibel befasst (lt. Rudolf Steiner das wichtigste Dokument der Menschheit), wird vieles neu verstehen können, wenn er weiß, dass mit dem Heiligen Geist das Weiblich-Göttliche gemeint ist.

In einem anderen Artikel der Vitasophie ist bereits auf die Stelle im Alten Testament hingewiesen worden, wo SIE, die Göttliche Weisheit, sich in der Ich-Form äußert. Weil mir diese Aussage so wichtig ist, wiederhole ich sie hier.

Im Alten Testament, im „Buch der Sprichwörter", 8, 22 – 31, ist zu lesen:


22 – Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit;

23 – in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.

24 - Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.

25 – Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.

26 – Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands.

27 – Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,

28 – als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,

29 – als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,

30 – als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm.

Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.

31 – Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

* * * * *

Nun muss man natürlich auch bedenken, dass in vorchristlichen Zeiten die Gottheit noch keine menschlichen Formen hatte (wenn auch plante). Erst in Christus wurde das Göttliche Mensch und hat seitdem Menschengestalt.

So wie der Vatergott seine Göttin, die göttliche Weisheit, an seiner Seite hat, so hat auch der Sohn, der Christus, seine Sophia, die menschlich gewordene göttliche Weisheit an seiner Seite. Auch das Weiblich-Göttliche ist Mensch geworden. Und wer ist das? Darauf komme ich noch zurück.

Es wäre eigentlich zeitgemäßer, statt von einer Trinität von einer Quaternität zu sprechen. Denn: wie oben, so unten, männlich-weiblich oben, männlich-weiblich unten. Zwei und zwei macht vier, nicht drei.

Aus dem Gottesnamen gemäß der Kabbala geht das auch hervor. JHVH wird zwar Jahve oder Jehova ausgesprochen (oder noch anders), es handelt sich aber um die Anfangsbuchstaben der vier Personen in der Gottheit:

J = Jod = der Vater
H = He = die Mutter (die Schechina)
V = Vau = der Sohn
H = He = die Tochter.

Also auch die Kabbala, die jüdische Esoterik, kennt das Weibliche in der Gottheit und nennt sie "Schechina" - die "Königin", die "Tochter'", die "Braut Gottes". Die Schechina ist das Symbol des Ewig-Weiblichen, und jede Frau ist Stellvertreterin der Schechina auf der Erde.

In Ägypten verehrte man Osiris und Isis. Der Isis-Kult, die Verehrung des Göttlich-Weiblichen, war in Ägypten zentraler Inhalt aller religiösen Betätigungen und Feste. Die Marienverehrung im Christentum ist eine Fortsetzung davon.

Osiris und Isis entsprechen dem Christus und der Sophia im Christentum. Aus der Verbindung des Osiris mit der Isis ging der Horus hervor.

Dieser Horus ist das, was wir im Christentum als das Ich des Menschen bezeichnen. Das höhere (oder "eigentliche") Ich des Menschen ist das Christus-Ich. Der Horus entspricht also dem sich entwickelnden Menschen mit Christus-Bewusstsein. Den Menschen mit Christus-Bewusstsein erkennt man daran, dass er die Schöpfung mit liebevollen Augen anschaut, sie hegt und pflegt, sich daran macht, unseren Planeten wieder aufzubauen und zu sanieren, und darin selbst schöpferisch tätig zu werden. Menschen mit Christus-Bewusstsein finden wir in allen Kulturen und Religionen der Welt, die „Fundamentalisten“, ob im Islam oder auch „so genannten“ Christentum sind lediglich eine Karikatur des Glaubens, den sie angeblich vertreten. „Tief da drinnen“ sind alle Menschen gleich, oder ähnlich, auf jeden Fall gleichwertig, weil desselben Ursprungs.

Auch im Islam ist die Bedeutung des Weiblichen durchaus bekannt. Der Sufismus weiß noch davon. Davon zeugt der Titel eines Buches, von einem Kenner des Islams verfasst: „Meine Seele ist eine Frau“ !! Nochmal: lassen wir uns von den Fundamentalisten in allen Religionen nicht davon abhalten, das Menschsein neu zu erkennen und zu leben!


Für den Templer (Tempelritter) bildeten die folgenden 2 Aussagen seinen Lebensinhalt und waren seine Motivation, für das Christentum zu kämpfen:

1.) Mein Blut gehört nicht mir, sondern dem Christus. Ich habe mein Dasein der Tatsache zu verdanken, dass Gott in Christus Mensch geworden ist, der jetzt in mir lebt und durch mich in der Welt wirken will.

2.) (Fortsetzung des Isis-Kultes): in Christus wurde das Männlich-Göttliche Mensch, und in der Maria Magdalena das Göttlich-Weibliche.

Die enge Verbindung des Christus-Jesus mit der Maria-Magdalena war für den Templer eine Selbstverständlichkeit.

* * * * * * * * *


Obiger Teil 1 des Artikels „Das Männliche und Weibliche im Menschen und im Kosmos“ ist eine grundsätzliche Einführung in dieses Thema. Ich denke, es ist da schon viel Erstaunliches zum Ausdruck gekommen. Aber es geht noch weiter. Im Teil 2 soll dargestellt werden, wie sich das Wissen um die Zusammenhänge des Männlichen und Weiblichen im Laufe der Geschichte erhalten hat und heute wieder, und neu erkannt wird und im beginnenden Wassermann–Zeitalter wieder voll zur gebührenden Geltung kommen wird.

* * * * * * * * *

Es gibt keinen Weg, es sei denn, du gehst ihn.


*


Im Maße liegt die Ordnung. Jedes Zuviel oder Zuwenig setzt anstelle von Gesundheit die Krankheit.

Sebastian Kneipp


*

Ein ungeübter Geist ist schädlicher für die Gesundheit als ein ungeübter Körper.

Georg Bernard Shaw


*

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.

Hermann Hesse


*

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

Christian Morgenstern


*
In unserem Herzen liegt der Wert der Welt.

Leopold Schefer

*
Es ist mit der Liebe wie mit den Pflanzen: wer Liebe ernten will, muss Liebe säen.

Jeremias Gotthelf


*

Freude ist die Gesundheit der Seele.

Aristoteles


*


In ihren Gebeten erbitten sich die Menschen Gesundheit von den Göttern; dass sie die Macht dazu in sich selber tragen, wissen sie nicht. Indem sie durch Unmäßigkeit das Gegenteil bewirken, werden sie aufgrund ihrer Gelüste zu Verrätern an ihrer Gesundheit.

Demokrit