VITASOPHIE

Biographie, Entwicklung im Lebenslauf


Vorbereitung in der geistigen Welt

Den Rahmen und die Schicksalsbedingungen für unser nächstes Erdenlebens bereiten wir in der geistigen Welt vor, die unser Ursprung und unsere Heimat ist. Siehe hierzu den Artikel "Über den Tod und das Weiterleben danach". Dabei helfen uns unsere kosmischen Geschwister. In der geistig-seelischen Welt sind wir alle eine große Familie, was auf der Erde noch darauf wartet, verwirklicht zu werden. Unsere Mitmenschen während unseres Erdenlebens, ob hier auch physisch Bruder oder Schwester, oder Eltern, oder andere Verwandte, oder Freunde: in der geistig-seelischen Welt sind wir alle Geschwister, weil alle Menschen, auch alle Wesen in der geistigen Welt, vom selben göttlichen Elternpaar abstammen.

Den Entschluß zu einem erneuten Herabstieg auf die Erde fassen wir zusammen mit anderen Menschen-Ichen - Geschwisterseelen - die wir bereits aus früheren Erdenleben kennen. Mit ihnen vereinbaren wir, zusammen ein weiteres Erdenleben zu gestalten, einmal um gemeinsam das aufzuarbeiten, was wir uns und einander in früheren Erdenleben eingebrockt haben, aber auch um Zukunft vorzubereiten.


Welchen Einfluss hat das Karma?

Während unseres Durchgangs durch die Sternenwelten - in Richtung Erde - erweitern und ergänzen wir unsere Seelenstruktur mit Kräften, die unserem Karma und den geplanten Aufgaben entsprechen. Abhängig von der Struktur, den Eigenschaften oder Qualitäten der Seele wird dann als weiteres Wesensglied des Menschen sein neuer Lebensleib gestaltet. Ob dessen Eigenschaften positiv oder negativ sind, eine Grundlage für einen gesunden oder kranken irdischen Leib bieten, hängt vom Karma ab bzw. den Zielen, die der Mensch zu erreichen sich vorgenommen hat, bzw. in die Pflicht genommen wurde, sich vorzunehmen. Positive, liebevolle Taten in vergangenen Leben erlauben die Gestaltung eines gesunden Lebensleibes, und damit eines gesunden, auch schönen irdischen Leibes. Aber auch umgekehrt. Wir sind eben in vergangenen Zeiten oft nicht behutsam miteinander umgegangen, und mit der Erde, mit der Natur. Mit dem karmischen Ergebnis, dass wir jetzt evtl. vieles aufzuarbeiten haben, was mit viel Mühe und mit dem Erleiden von Krankheiten, Unfällen, Schicksalsschlägen verbunden ist.


Karma ist aber nicht alles!

Unsere seelischen Eigenschaften, unser Charakter, unsere Talente, über die wir in unserem Erdenleben verfügen, sind aber nicht immer das Ergebnis unserer Taten in früheren Erdenleben, also karmabedingt. Es kann auch sein, dass wir Talente mitbekommen, um bestimmte, geplante Ereignisse, Entwicklungen zu verwirklichen. Wenn z.B. jemand ein großes Talent für Fremdsprachen hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass er eben in all den Ländern früher mal gelebt hat, und deshalb in diesem Erdenleben all diese Sprachen sprechen kann. Sondern er hat vielleicht die Aufgabe, international in der Welt zu wirken. Deshalb sollte man in der Schule und im Elternhaus viel mehr darauf achten, welche Talente die Kinder mitgebracht haben, die auf ihre Entfaltung warten. Versäumnisse in dieser Richtung können sich fatal auswirken.


Karma - Altlasten - aufarbeiten

Die Bibel spricht davon, dass das Leben köstlich gewesen sei, wenn es voller Mühe war. Diese Aussage befremdet uns zunächst einmal, wird aber verständlich, wenn wir davon ausgehen, dass offensichtlich viel altes Karma aufgearbeitet werden konnte, wenn wir im Laufe eines Erdenlebens viel Mühe hatten, die Herausforderungen aber annehmen und umsetzen konnten. Mühen auf uns zu nehmen, sie zu akzeptieren und dank unserer errungenen Erkenntnisse bewusst das Beste aus den schwierigen Lebenssituationen zu machen, lohnt sich deshalb, weil wir dadurch die in der Vergangenheit von uns selbst errichteten Hindernisse wieder aus dem Weg räumen können, was aber eben nur durch eigene Anstrengungen möglich ist, denn niemand räumt sie für uns weg. Wenn die alten Hindernisse also weggeräumt sind, ist der Weg frei, die Zukunft neu und bewusst zu gestalten.

Nicht nur entsorgen wir durch unsere Bemühungen unsere seelischen Altlasten aus der Vergangenheit, sondern wir schaffen uns dadurch ja auch neue Seelenkräfte, unser Denken wird klarer und umfassender, wir beherrschen immer besser unsere Emotionen und unseren Willen, stärken dadurch unser Selbstbewusstsein, entwickeln immer mehr Verständnis und Weisheit, wir werden allmählich liebefähig.

Die Karmagesetze zwingen uns, durch Anstrengung Ausgleich zu bewirken. Würden wir nicht gezwungen, hätten wir es bequem und bräuchten wir uns nicht anzustrengen, würde uns alles geschenkt, dann gäbe es keine Entwicklung. Alles bliebe beim alten. Ein schrecklicher Gedanke.

Dass es darauf ankommt, dass wir uns im Leben - jeder individuell auf seine Weise - bemühen, anstrengen, wirft auch ein Licht darauf, dass das Anzünden von Räucherstäbchen, das Tragen von Amuletten oder Kettchen mit Edelsteinen keine Veränderung im Seelengefüge bewirken kann! Nur durch persönliche innere Arbeit ist das möglich. Es reicht nicht, dass ein Gärtner seinem Garten lediglich gute Gedanken zukommen lässt (obwohl diese natürlich auch wichtig sind), sondern er muss schon sehr aktiv werden: den Boden bearbeiten, säen, pflanzen, gießen, düngen, kreativ gestalten, usw.. Dann gedeiht und sprießt der Garten und wird ihm zu seinem kleinen persönlichen Paradies. Über seine guten Gedanken und Taten freuen sich auch sehr nicht nur seine Pflanzen, sondern alle Lebewesen im Garten, einschließlich der Naturgeister.

Ein anderes Beispiel: ein Sportler braucht sich keine Hoffnung auf einen Sieg zu machen, wenn er nicht seine Muskulatur vorher aufbaut, und trainiert und noch mal trainiert, übt und übt, und ausprobiert ... Genauso verhält es sich mit unseren Seelenkräften. Auch hier heißt es: üben, üben, ausprobieren, hinfallen, wieder aufstehen, noch mal probieren, bis es klappt.

Karmapraxis

Wenn Seelenleib und Lebensleib in der geistigen Welt soweit vorbereitet sind, kann die nächste Inkarnation starten. Alles, was wir uns für das bald beginnende neue Erdenleben vorgenommen haben, ist in unserer Seele in Form von Gefühlen, im Lebensleib in Form von Bildern eingeprägt. Das heißt, wir tragen die Bilder von geplanten Situationen und auch der Menschen, denen wir begegnen wollen/sollen, in uns. Wenn dann, während des nun ablaufenden Erdenlebens, eine solche Begegnung, durch unseren Engel veranlasst und geführt, sich ereignet, findet ein sofortiges Erkennen statt, das äußere Bild des Menschen, dem wir gegenüberstehen, deckt sich mit unserem inneren Bild, "es funkt", das Ergebnis kann die große Liebe auf den ersten Blick sein, oder eine tiefe Freundschaft. So entstehen Freundschaften im Sandkasten, im Kindergarten, in der Schule.

Begegnungen sind aber nicht immer mit angenehmen Gefühlen verbunden, mit Sympathie. Oft sind erste Begegnungen auch schwierig, unangenehm, mit Antipathie oder sogar Feindseligkeit verbunden. Auch hier sind die Ursachen in problematischen Beziehungen in vergangenen Erdenleben zu suchen.

Die Freundschaften, die in der Jugendzeit zustande kommen, sind meistens auf gemeinsames Karma aus der Vergangenheit zurückzuführen. Im Laufe des Lebens, zunehmend ab der zweiten Lebenshälfte, begegnen wir aber auch Menschen, die für uns "neu" sind. Mit ihnen bereiten wir Zukunft vor, Aufgaben in zukünftigen Erdenleben. Auch hier gilt wieder: die Art, wie wir solche neuen Freundschaften pflegen und gestalten, entscheidet darüber, wie diese Zukunft aussehen wird. Je interessierter und offener wir auf "neue" Menschen zugehen, um so interessanter wird sie (die Zukunft, aber selbstverständlich auch die Beziehung zu diesen Menschen).

In unseren Träumen sehen wir manchmal Menschengesichter, die uns aus dem Alltagsleben bekannt sind: Familienmitglieder, Berufskollegen, usw. Aber wir begegnen im Traum auch Menschen, deren Gesicht uns nicht bekannt vorkommt. Hier ist interessant, dass wir mit den Menschen, mit denen wir im Alltag zu tun haben, und die wir im Traum sehen, karmisch verbunden sind, entweder aus der Vergangenheit oder für die Zukunft. Mit denen, deren Gesichter uns im Traum nicht bekannt sind, haben wir karmisch nichts zu tun, oder sie sind zur Zeit nicht inkarniert.


Wir suchen uns unsere Eltern aus

Nun noch einmal zurück in die Zeit vor der Inkarnation. Mit einem fertig gestalteten Seelenleib und Lebensleib, in dem alle Organe, die sich später physisch entwickeln werden, bereits ätherisch, ein anderer Ausdruck ist auch feinstofflich, oder energetisch, vorhanden sind, macht das Ich alle Anstrengungen, dass sich die vorher bewusst ausgewählten Eltern körperlich vereinigen, damit eine Zeugung stattfindet. Das sich auf seine Inkarnation vorbereitende Ich trägt mit allen Kräften hierzu bei, weil es sich unbedingt inkarnieren will. Wenn die Zeugung stattgefunden hat, und der Embryo beginnt, sich physisch zu entwickeln, spüren viele Mütter, dass sich da ein geistiges Wesen mit ihnen vereint hat, ein Wesen, mit dem sie in Liebe verbunden sind, dessen Name der Mutter vor der Geburt schon bekannt ist. Manche Mütter nehmen diese Seele auch visuell wahr. Oft führt dies zu einem Gefühl tiefer Verbundenheit. Was die Väter oft nicht wahrnehmen oder verstehen können.


Kräfte aus dem Kosmos gestalten den Menschen

Durch die Kräfte der Wesenheiten (Hierarchien) in dem unser Sonnensystem umgebenden Tierkreis bildet sich der Körper des noch Ungeborenen aus. Aus jedem der 12 Tierkreisbereiche sind es andere Gestaltungskräfte, so dass man auch sagen kann, dass der physische Leib des Menschen aus 12 verschiedenen Kräften zusammengesetzt ist. Siehe hierzu die Ausführungen in der "Übersicht über die Wesensglieder des Menschen".

Die 12-fachen Kräfte aus dem Tierkreis gestalten jedoch nicht nur den physischen Leib des Menschen, mit dem er sich dann in der Materie bewegen kann, sondern ihnen entströmen auch 12 die Entwicklung der Seele betreffende Einflüsse. Wer sich etwas mit Astrologie befasst, oder auch nur sich für Horoskope interessiert, kennt das: wenn jemand Fisch ist, oder Stier, oder Skorpion, usw., dann sagt ihm das, welche Seelenkräfte bei ihm vorherrschen, was er sich in der Vergangenheit erarbeitet hat. Aus dem Geburtshoroskop kann er mehr darüber erfahren, auch, was man sich zur weiteren Entwicklung in diesem Erdenleben vorgenommen hat. Diese weitere Entwicklung kommt im Aszendenten zum Ausdruck. Das Ziel ist, dass der Mensch im Laufe einer langen Reihe von Erdenleben seine seelischen Eigenschaften so entwickelt, dass aus den dem Tierkreis entstammenden ursprünglichen 12 unbewussten Trieben 12 bewusste Tugendkräfte auf einer hohen Entwicklungsstufe werden. -

Damit die göttliche Liebe bewusst und achtsam und weise gelebt werden kann.

Es ist die Entwicklung von der Tierstufe zur Menschenstufe.


Vom Kind zum Erwachsenen

Wenn der Mensch geboren ist, beginnt er sich zu entfalten, zuerst körperlich, dann seine Seele, dann sein Ich mit seinen Seelenkräften. In der ersten Lebenshälfte wird karmische Vergangenheit ausgelebt, zusammen mit den Menschen, mit denen wir das so wollten, dann wird die Zukunft vorbereitet, neues zukünftiges Karma geschaffen.

In den ersten sieben Jahren wird der physische Leib ausgestaltet. Dazu verwendet der Lebensleib die selben Kräfte, die auch die Denkkräfte sind, die sich als solche aber erst entfalten sollen, wenn der physische Leib mit ca. dem 7. Lebensjahr fertig ist. Es ist wichtig, dem Kind die Zeit zum Aufbau seines Leibes zu lassen, es nicht zu früh zu zwingen, seinen Intellekt zu entwickeln, indem man es dazu antreibt, schon früh lesen und rechnen zu lernen, weil nämlich dann dem Körper die Kräfte entzogen werden, die er zu einem gesunden Aufbau benötigt. So entstehen die ersten Veranlagungen zu Krankheiten, die dann im Laufe des Lebens auftreten können. Überfütterung mit Gedächtnisstoff kann auch zu Angstzuständen und zu Wachstumshemmung führen. Zu frühe Einschulung ist also zu vermeiden!

Auch sollte man dem Kind bis dahin erlauben, in einer Märchenwelt zu leben. So wird dem Kind eine solide körperliche und seelische Grundlage geschaffen, welche die Voraussetzung ist für eine weitere gesunde seelische Entfaltung.


Das Kind erziehen oder ihm Vorbild sein?

Da das Kind in dieser Entwicklungsperiode alles nachahmt, was ihm Ältere bzw. die Erwachsenen und das Fernsehen vormachen, ist das Vorbildsein ein sehr wichtiges Thema, das ich nicht zu detaillieren brauche. Auch die Teletubbies z.B. sind Vorbild, aber was für ein schwaches. Wenn das Kind nur "Bla-bla-bla" hört, oder "o-o", wird es einmal zu nicht viel mehr als "Bla-bla-bla" oder "o-o" fähig sein. Deshalb sollten sich Erwachsene, die Eltern, um eine bewusste, gepflegte Ausdrucksweise bemühen und als Vorbilder ein Verhalten vorleben, das nachahmenswert ist.

Es geht auch nicht darum, dass die Eltern die Kinder erziehen, sondern dass sie ihnen Vorbild sind. Das bedeutet, dass jeder Erwachsene sich zunächst selbst erziehen sollte. Wenn das gelungen ist, wird sich das Kind meistens durch seinen Nachahmungstrieb an den vorgelebten guten Beispielen auf positive Weise entfalten können, es erzieht sich selbst. Falls das Kind dazu jedoch nicht die Kräfte oder Einsicht in ausreichender Weise aufbringen kann, darf und muss selbstverständlich auf ergänzende und passende Weise nachgeholfen werden.


Kinderkrankheiten

In den ersten Lebensjahren können die sogenannten Kinderkrankheiten auftreten. Diese haben nichts mit Karma zu tun, sondern damit, dass sich das Ich erst seine körperlichen Voraussetzungen für die geplanten Entfaltungsmöglichkeiten schafft. Es kann nämlich passieren, und es passiert auch oft, dass das Ich aufgrund des elterlichen Erbgutes eine physische Leiblichkeit vorfindet, die nicht so richtig zu ihm passt. Es muß sich also die Organe umgestalten, um sich durch sie optimal zum Ausdruck bringen zu können. Das geschieht durch eine gezielt so ablaufende Krankheit: Das Ich, das Feuer ist, durchglüht die betroffenen Organe, es entsteht Fieber, in diesem Wärmeprozess kann nun das Ich seine Organe nach seinem eigentlichen Bilde neu gestalten. Wenn das geschehen und überstanden ist, merkt man dem Menschen an, dass sich Wesentliches in ihm verändert hat. Er kann sich jetzt besser entfalten. Deshalb sollte man Fieber nicht unterdrücken, sondern den Prozess ablaufen lassen, der Körper weiß, was zu tun ist. Es reicht, und das ist allerdings wichtig, den Fieberprozess unter Kontrolle zu halten. Wenn man Fieber unterdrückt, hat das Ich nicht die Möglichkeit, seine Organe zu verändern, seine Entfaltung wird dadurch behindert. Manchmal hilft sich das Ich dadurch, dass es eine "Kinderkrankheit" als Erwachsener nachholt. In diesem Sinne wird verständlich, wenn vom Impfen abgeraten wird, weil das Impfen Kinderkrankheiten vermeiden soll, die das Ich jedoch eben zwecks seiner Weiterentwicklung sich selbst organisiert.

Dem Kinde im 1. Jahrsiebt Freude und Liebe geben führt zu dessen erhöhter Weltoffenheit im späteren Leben. Lieblosigkeit und Schmerz dagegen bringen Verschlossenheit.


Entfaltung der Seele

Ab dem ca. 7. Lebensjahr entfaltet sich die Seele, die Ebene der Gefühle, Emotionen. In diesem 7-Jahres-Abschnitt braucht das heranwachsende Kind (vorgelebte) Autorität, an der es sich orientieren kann. Dies steigert seinen Mut und belebt seine Initiativkräfte nach seinem 28. Lebensjahr. Wo echte Vorbilder fehlen, sind Lässigkeit und Feigheit die Folgen. Die "Vorbilder", die durch Fernsehprogramme, Videos, DVDs, Games, geboten werden, wirken sich entsprechend aus. Wer an Mord und Totschlag interessiert ist, kann übrigens, wenn er den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen würde, und von Kanal zu Kanal zappt, zwischen 60 und 100 Morden zuschauen. Wenn viele sehr junge Menschen das tun, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Mord und Totschlag alltäglich werden. Die Hemmschwelle wird abgebaut, Töten scheint zum Alltagsleben dazu zu gehören.

Wie wär's, wenn wir die Anleitungen zu Mord und Totschlag ersetzen würden durch Anleitungen zu Konfliktfähigkeit und Partnerschaft? Durch Themen, die mit Gesundheit, gesunder, sozialer Lebensführung usw. zu tun haben?

Die erwähnte Autorität kann z.B. der Schullehrer sein. In einer Rudolf Steiner- oder Waldorfschule ist die Anthroposophie kein Lehrfach, jedoch wird hier erwartet, dass der Waldorflehrer die Anthroposophie als Erkenntnisquelle für sein Hintergrundwissen hat. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für ihn ist, dass die jungen Menschen, die er in seiner Klasse hat, aus früheren Leben Erfahrungen, Seeleneigenschaften mitbringen, die jetzt weiter entfaltet werden sollen. Die jungen Menschen sind ihm in ihrer Entwicklung vielleicht sogar schon voraus, auch damit muss er rechnen. Die Hauptaufgabe des Lehrers ist also, dem jungen Menschen bei seiner Entfaltung zu helfen (geistig, seelisch und körperlich), nicht in erster Linie, ihm Wissen einzutrichtern. Bildung und Erziehung sind leider heute in den staatlichen Schulen oft nicht mehr das Ziel, dem die Schule zu dienen hat, sondern diejenigen Kenntnisse werden intensiv vermittelt, die auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind. Eigenschaften, die aber jetzt erübt werden sollten, wie: zu lernen, miteinander umzugehen, mit anderen zusammen zu leben, also sozialfähig zu werden, Erziehung zu Toleranz, Verständnis für andere Völker und Kulturen, bleiben auf der Strecke. Wenn nur die Intelligenz angesprochen und gefördert (oder gefordert) wird, bleibt für die Entfaltung von seelischer Wärme keine Zeit. Eine seelische Ausgeglichenheit ist aber Voraussetzung für ausreichende innere Flexibilität und Stärke, um mit den ständig sich verändernden beruflichen Anforderungen und Herausforderungen im Laufe des Lebens fertig werden zu können.


Seele oder Intellekt? - Mensch oder Roboter?

In Asien (vor allem Indien, China, Korea, Japan, Singapur, usw.) ist sehr frühe Einschulung verbreitet, weil Schulbildung der erste Schritt auf der Karriereleiter ist. Mit 4 Jahren können Kinder durch eine Aufnahmeprüfung getestet werden. Sind sie dann aufgenommen, müssen sie starken Druck seitens der Eltern ertragen, viele scheitern früh. Die höchsten Schülerselbstmordraten findet man in Japan und Singapur.

Wohin ein einseitiges und übertriebenes Trimmen auf reine Funktionstüchtigkeit und Höchstleistung führen kann, zeigt das Zugunglück in Japan, wo ein noch junger Zugführer mit wenig Berufserfahrung verzweifelt eine 1 ½-minütige Verspätung aufholen wollte, dabei viel zu schnell fuhr und der Zug entgleiste, mit vielen Toten. Anderthalb Minuten! Er wollte unbedingt vermeiden, noch einmal zu einer "Spezialbehandlung" zu müssen, der sich dort alle Zugführer zu unterziehen haben, die sich einer Verspätung schuldig gemacht haben. Diese Spezialbehandlung besteht in einer Gehirn- und Seelenwäsche härtester Art, die Menschen werden 2 Wochen lang psychisch fertiggemacht, damit Verspätungen nie mehr auftreten. Seelisch erleiden die Menschen während dieser "zwei Wochen Hölle" erheblichen Schaden, oft einen irreparablen. Man kann dies auch als einen Versuch ansehen, aus den Menschen Roboter zu machen. Was aber natürlich nicht möglich ist, weil der Mensch auch, bzw. sogar in erster Linie, Seele und Geist ist, also fühlt und liebt. Was ihn vom Roboter unterscheidet.

Mit dem Scheitern kann nur ein Erwachsener umgehen, Kinder zerbrechen daran. Der Erwachsene, der über ausreichend Selbstbewusstsein verfügt und bereit ist, sich selbst zu erziehen, kann daran wachsen, sich entwickeln und vorwärtskommen. Ein Kind aber muß erst sein Ich entwickeln, aus den Anlagen, die es mitgebracht hat. Das Scheitern zerstört seine Lebenskräfte und die seelische Grundlage für eine weitere gesunde Entwicklung.

Ist jetzt vielleicht eine kleine Pause fällig? Zur inneren Stärkung und Erfrischung hier ein Hinweis aus dem Arabischen:

"Deine Kinder (Chalil Schibran, 1881 - 1931)

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht, des Lebens,
und sich selbst.

Sie kommen durch dich, aber nicht von Dir,
obwohl sie bei Dir sind, gehören sie Dir nicht.

Du mußt ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken.

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben, aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das Du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in Deinen Träumen.

Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht, sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern."


Nach dieser kurzen Pause jetzt weiter mit unserem Thema:

Gefühle wollen gepflegt werden

Um also den Intellekt nicht einseitig zu überfordern, sind auch musische (Schulorchester) und handwerkliche Kenntnisse wichtig, überhaupt praktisches Ausprobieren. Das praktische Tun fehlt dagegen völlig demjenigen jungen Menschen, der nur vor dem Bildschirm sitzt und sich abreagiert. Wer sich nur ständig abreagiert, baut dabei ständig seine Seelenkräfte ab. Eines Tages sind diese abgebaut, er macht schlapp und wird allmählich ein Pflegefall. - Werden wir mal ein Volk von Pflegefällen?

Es ist empfehlenswert, möglichst früh Fremdsprachen zu erlernen und zu üben. Ein Kind hat noch eine leichte Auffassungsgabe, und einen "inneren Dolmetscher". Vor allem gewinnt es dadurch schon früh eine natürliche und offene Einstellung zu anderen Völkern und Ländern. Der Entstehung von Nationalismus wird dadurch ebenfalls entgegengewirkt. Wenn man - aus Interesse - eine andere Sprache lernt, lernt man dabei die Seele eines anderen Volkes kennen und verstehen.

Nicht zuletzt sollte in der Schule auch ein interesse- und rücksichtsvoller Umgang miteinander geübt werden, denn eine Gemeinschaft wächst heran, übt miteinander soziales Verhalten, womit eine Voraussetzung für Lebenstüchtigkeit im späteren Leben geschaffen wird. Bis zum Ende der Schule bleiben die Waldorf-Klassen zusammen, die Starken tragen die Schwachen. Auch der Klassenlehrer wird nicht gewechselt, was aber auch problematisch sein kann.

Selbstbewusstsein aufbauen, Initiativen ergreifen

Weiter mit dem Lebenslauf: mit dem Alter von ca. 14 Jahren beginnt verstärkt eine Periode der Entfaltung der Gefühlswelt. Die selben Kräfte, die zunächst den Körper aufbauten, dann die Denk- und Lernfähigkeit ausmachten, kommen jetzt durch die Fortpflanzungsfähigkeit zum Ausdruck. Mit dem einsetzenden Stimmbruch ist die Kindheitsphase beendet. Da die Gefühlswelt entfaltet ist, ist es jetzt Zeit für die erste große Liebe. Im jugendlichen Menschen während dieses 3. Jahrsiebts Begeisterung erwecken für das Gute, Schöne und Wahre wirkt charakterbildend für die Zeit nach dem 21. Lebensjahr. Fehlen solche Erfahrungen, so verblassen die Lebensideale schon bald nach der Volljährigkeit. - Wird Gutes, Schönes und Wahres in Video-Games geboten? Kennt irgendjemand ein Beispiel?

Es geht uns ein Licht auf: das Menschsein bzw. -werden ist sehr gefährdet. Auch im Kosmos gibt es nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Streiten lernen - auf eine faire Art und Weise - ist auch wichtig und braucht viel Übung, und viel Vorab-Information. Das müsste die Schule leisten.

Die Ich-Kräfte beginnen, sich zu entfalten. Früher hat man noch gewusst, dass dies mit ca. 21 Jahren seinen Höhepunkt erreicht hat, und sprach dem Menschen in diesem Alter Mündigkeit zu. Mit 18 ist der Mensch meistens noch nicht so weit, wenn auch die Menschen sich unterschiedlich entwickeln, und der eine früher, der andere später selbstständig wird. Das Ich ist also jetzt sozusagen geboren, der Mensch wird entscheidungsfähig. Die Fähigkeit, Initiativen zu ergreifen, Entscheidungen zu treffen, und damit auch Verantwortung zu übernehmen, ist eine Ich-Kraft. Offensichtlich ist es äußerst schwierig, sich diese Kraft zu erwerben, denn heutzutage muss man in Wirtschaft und Politik oft lange danach suchen.


Wann wird der Mensch gescheit?

Das Ich will jetzt raus in die Welt, diese kennenlernen und Erfahrungen sammeln. Die Seelenkräfte Denken, Fühlen und Wollen werden im Laufe der nächsten 21 Jahre entfaltet. Das geht bis etwa zum 42. Lebensjahr, dann wird der Mensch ruhiger, besonnener, er bemüht sich, sein Leben zu ordnen. Der Schwabe "wird mit 40 gescheit", damit kommt das zum Ausdruck.

Obige Ausführungen sind verständlicherweise gerafft. Vieles wäre zum Lebenslauf noch zu sagen, ich kann hier nur auf Grundsätzliches hinweisen. Jeder Mensch entwickelt sich auf seine individuelle Weise, abhängig ja auch von seinem Karma, das ihm vielleicht aufgrund einer körperlichen Behinderung eine familiäre und berufliche Entfaltung und ein Raus-in-die-Welt vorenthält. In einem solchen, behinderten Menschen wiederum, der sich ja viel mehr anstrengen muß, um mit seinem Schicksal, oder Karma, fertig zu werden, wachsen Kräfte an, die ihm in einem nächsten Leben eine um so kräftigere Entfaltung ermöglichen. Vielleicht kann dieser Hinweis für manche ein Trost sein und Hoffnung machen.


Im Alter noch jung sein

Für den sich "normal" entwickelten Menschen ist es wichtig, in der Lebensmitte nicht stehen zu bleiben. Schlimm für sein weiteres Erdenleben wirkt es sich aus, wenn er sich nicht darum bemüht, weiterhin offen für alles zu sein, Interessen zu pflegen, wenn die Bereitschaft aufhört, ständig noch dazuzulernen, mit 60, 70, 80 noch eine Fremdsprache zu lernen, zum Beispiel. Interesse an Menschheit und Umwelt und an geistigen Dingen - und erst recht, wenn verbunden mit bewusst gelebter Lebensfreude! - hält jung bis ins hohe Alter. Und gesund! Warum ist das so? Es ist das Ich, das an allem, was sich in der Welt tut, interessiert ist. Dieses Ich stammt vom Christus ab, dem Schöpfer, deshalb ist ein Ich, der mit einem Ich ausgestattete Mensch eben an der Schöpfung auch interessiert, und daran, sie zu pflegen, zu erhalten und zu ihrer Vielfalt beizutragen.

Goethe sagte dazu: "Wär' nicht das Auge sonnenhaft (also durch das Wirken der Sonne entstanden), wie könnte es das Licht erblicken? Wär' nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt' uns Göttliches entzücken". Also in anderen Worten: Trügen wir Menschen nicht in uns das Ich und die Liebe des Christus, des Schöpfers der Erde und des Menschen (und noch mehr), dann würde uns die Schöpfung, d.h. unsere Mitmenschen und die Erde auch nicht interessieren.

Das Ich ist Liebe, ist Feuer. Mit dem Christus in uns, und damit Interesse an Mitmenschen und Schöpfung, fließen diese Liebe und dieses Feuer durch uns durch und in unsere Mitmenschen und die Umwelt hinein. Dieses Durch-uns-Hindurchfließen der Lebenskräfte, die vom Christus ausgehen, erhält uns bzw. macht uns gesund. Macht der Mensch "zu", ist er nicht mehr an der Welt und Mitmenschen interessiert, fließen die gesundenden Kräfte nicht mehr, erkaltet er, wird krank. In solchen Fällen sollte versucht werden, in dem betroffenen Menschen wieder Interesse für die Welt zu wecken, ihn für die schönen und interessanten Dinge des Lebens zu "erwärmen".

In der zweiten Lebenshälfte fängt der Mensch an, wenn es "gut läuft", und abhängig davon, wieviel Lebensweisheit inzwischen erworben worden ist, sich ideellen Interessen zuzuwenden, die errungene Weisheit für die Welt und Mitmenschen zu verwenden. Ging es vorher um die Verwirklichung persönlicher Ziele, spielen jetzt spirituelle Ideale, die ganze Menschheit betreffende Interessen, eine immer größere Rolle.

Ein anderer Aspekt: während der Mensch in der ersten Lebenshälfte an seinem alten Karma gearbeitet hat, bereitet er in der zweiten mehr und mehr die Zukunft vor. Die Menschen, zu denen er von nun an geführt wird, sind oft solche, die er aus früheren Erdenleben nicht kennt, sondern solche, mit denen er Zukunft gestalten soll. Viel Aufmerksamkeit ist gefordert und die Bereitschaft, sich aktiv weiter zu entwickeln. Dem Altersrost darf man keine Angriffsfläche bieten.

In den Sechzigerjahren wird der Mensch frei, auch von Karma. Es ist jetzt in seine Freiheit gestellt, ob er seine Kenntnisse, Erkenntnisse, Erfahrungen an seine Mitmenschen weitergibt, oder aufhört, zu leben. Menschen, die nicht aufhören, willentlich und wissentlich die göttliche Liebe und Weisheit bewusst zu leben, sind diejenigen, die laut einer kürzlich veröffentlichten Studie die größten Chancen haben, über neunzig zu werden, und das in Gesundheit! Der Schlüssel dazu ist ein bewusst gelebtes und geliebtes, von Lebensfreude und Interesse durchdrungenes Leben.


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Seelenruhe

Ein Stern steht über meinem Haupt
Christus spricht aus dem Stern:
Lasse tragen Deine Seele
von meiner starken Kraft.
Ich bin bei dir
Ich bin für dich
Ich bin in dir
Ich bin dein Ich.

Rudolf Steiner

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Man kann nicht zur Liebe erziehen, sondern nur mit Liebe.


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Dein Freund ist einer, der alles von Dir weiß, und der Dich trotzdem liebt.

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Jozsef von Eötvös:

Wir können Gott mit dem Verstand suchen,
aber finden können wir ihn nur mit dem Herzen.

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Lieben und singen läßt sich nicht zwingen.

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Fürchte dich nicht, langsam zu gehen. Fürchte dich nur, stehenzubleiben.

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Ein Mensch bleibt weise, solange er die Weisheit sucht. Sobald er glaubt, sie gefunden zu haben, wird er zum Narren.

Talmud

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Die nützlichsten Erfahrungen, die man macht, sind die schlechten.

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Wenn die Kinder klein sind,
gib ihnen Wurzeln,

wenn sie groß sind,
gib ihnen Flügel!


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